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Was ist das?

Crazy little thing called love

Oberflächlich betrachtet, scheinen die Sonette Shakespeares nicht viel mehr zu sein als ein klassischer Gedichtzyklus, in dem es um das geht, was die meisten Menschen schon seit Jahrtausenden am nachhaltigsten beschäftigt: die gute, alte Liebe. Doch weit gefehlt! Es würde nicht „Shakespeare“ draufstehen, wenn sich dem Leser lediglich die züchtige, fleischlose Anbetung einer geliebten Person böte, deren Selbstzweck die Huldigung an sich darstellt. 

 

Natürlich wird auch bei Shakespeare tüchtig geschwärmt: Er preist die Vollkommenheit seiner Liebesobjekte (Plural. Ja. Sie haben richtig gelesen!) und beschäftigt sich mit Verlustangst, Eifersucht und der Idee unendlicher Schönheit. Jedoch sind seine Sonette überraschend anders als die seiner Zeitgenossen: Er legt sich nicht auf EINE geliebte Person fest, sondern wirbt um zwei und kostet dabei von den Vorzügen beider Geschlechter. Seine Anbetung ist in weiten Strecken alles andere als keusch, sondern im besten Sinne unromantisch: Es kommt durchaus vor, dass er sich im Ton vergreift, seiner Frustration durch Wutausbrüche Ausdruck verleiht oder sich in zotigen Wortspielereien verliert. Das „lyrische Ich“ ist durchaus nicht immer so charmant wie es die klassische Minne verlangt…

 

Die große Bandbreite an Shakespeare’schem Liebeswerben auf die Bühne zu bringen, ist Ziel dieses Programms! Die Musik möchte den Zuhörer berühren, verzaubern, verstören und mitleiden lassen, und die Texte erzählen uns, was wir ja eigentlich schon seit Shakespeares Zeiten wissen: So einfach ist das mit der Liebe leider nicht. Und wenn wir ganz ehrlich sind: Manchmal macht das Leiden an der Liebe fast mehr Spaß als die Liebe selbst...! 

Warum um Himmels Willen Shakespeare?

Wir lieben nicht nur Musik, sondern auch Literatur und haben uns in unserer Bandvergangenheit schon mehrfach damit beschäftigt, wie man diese beiden besonders schönen Künste miteinander verbinden kann: 2006 veröffentlichten wir unser Album „An Luna“ mit Vertonungen deutschsprachiger Gedichte von Goethe, Rilke, Kästner, Fried, Mascha Kaleko und Ulla Hahn. Außerdem erregte unsere instrumentale Bearbeitung des Romans „Orient-Express“ von Graham Greene, in der die Musik zwischen, unter, gegen und gemeinsam mit dem gelesenen Text die Geschichte erzählt, bundesweites Aufsehen. Wir haben uns sehr darüber gefreut, Renato Grünig und Rainer Iwersen, Gründungsmitglieder der Bremer Shakespeare Company, als Sprecher für dieses Projekt ins Boot holen zu können! Eigentlich ist Rainer Iwersen derjenige, dem wir unser aktuelles Programm „Nimm mich hin, Dein Will!“ zu verdanken haben, denn er als renommierter Übersetzer von Shakespeare-Texten hat uns nicht nur zur Auseinandersetzung mit den Sonetten angeregt, sondern auch den Kontakt zu seiner Kollegin Petra Janina Schultz hergestellt. Und dafür sind wir ihm nicht nur dankbar, sondern auch sehr glücklich!

Jaja. Aber wie klingt das nun?

Sehr abwechslungsreich und unterhaltsam! Vertont haben wir fast ausschließlich die englischen Originalfassungen Shakespeares. Dabei sind kurze, charakteristische Songs entstanden, die bestrickend zart, pulsierend kraftvoll, düster zweifelnd, augenzwinkernd raffiniert oder selbstbewusst forsch daherkommen. Jedes einzelne Sonett ist in ein und derselben Versform komponiert, die in ihrer Metrik wundervoll fließend und damit selbst schon fast Musik ist! Das hat uns die Arbeit zugleich leicht und schwer gemacht: Einerseits ergab sich die melodische Vertonung der Verse beim Lesen fast von selbst; andererseits verlangte jedes Sonett trotz immer wiederkehrender identischer Metrik und Form nach einer in Gestus und Charakter eigenen musikalischen Umsetzung. 

Das war eine Herausforderung, an die wir mit viel Freude herangegangen sind und die uns die Gelegenheit gegeben hat, unsere stilistische Vielfalt in vollem Maße zur Anwendung zu bringen: Alle geraden und ungeraden Taktarten vom 2/4- bis zum 7/8-Takt kommen zum Einsatz, und als neue Farbe in der Band-Geschichte sorgen nicht zuletzt die Blockflöten dafür, dass es zuweilen nach Dowland oder Purcell, aber immer nach Mellow Melange klingt.